Passives Einkommen mit P2P? So viel Aufwand steckt hinter P2P-Investments

Wo hört „passiv“ auf und wo fängt „aktiv“ an?

Alle jagen nach passiven Einkommensströmen: Bitte 10+ Prozent Zinsen und dafür idealerweise weder Risiko noch Aufwand. Aber ganz so einfach funktioniert der Vermögensaufbau ja bekanntermaßen nicht. Klar, P2P macht Spaß und bringt auch ordentliche Erträge – und das Risiko haben auch die meisten auf dem Schirm. Aber so komplett passiv ist es halt doch nicht.

Nachdem ich wieder einmal einen ganzen Batzen Zeit mit dem Ordnen, Umschichten, Informieren und Aktualisieren meiner P2P-Investments verbracht habe, stelle ich mir die Frage:

Wie passiv ist P2P wirklich?

Warum sich der Aufwand lohnt – und was gerne vergessen wird

Es ist jetzt nicht so, als hätte man als P2P-Investor viel zu jammern. Im Vergleich zu anderen Assetklassen genießt man ein solides Aufwand-Nutzen-Verhältnis – und die vielen guten Seiten sind durchaus überzeugend:

  • Zinsen im zweistelligen Bereich
  • Diversifikation in ein börsenfernes Asset
  • Verhältnismäßig kurze Einarbeitung ins Thema
  • Einfaches Handling der Investitionen
  • Geringe Einstiegshürde da – je nach Plattform – ab 1 Euro/10 Euro / 50 Euro investiert werden kann
  • Halbwegs liquide Investments (im Vergleich zu z. B. Immobilien)
  • Das Risiko lässt sich leicht diversifizieren – über Kreditarten, Laufzeiten, Länder, Anbahner und Plattformen hinweg
  • Monatliches „passives“ Einkommen dank regelmäßig ausgezahlter Zinsen

Leider ist das nur die eine Seite der Medaille. Gäbe es keine Schattenseiten, wäre es ja zu einfach 🙂 Denn P2P-Investments haben natürlich auch handfeste Nachteile bzw. Risiken:

  • Vollständiges Verlustrisiko des eingesetzten (oder auch nur in der Plattform geparkten) Kapitals, falls beispielsweise:
    • zu viele Kreditnehmer ihre Kredite nicht zurückzahlen und daher eine Rückkaufgarantie nicht mehr greifen kann
    • der Anbahner ein ungehobelter Schurke ist und mit dem von den Investoren eingesammelten Geld durchbrennt
    • dem Anbahner die Lizenz entzogen wird aufgrund irgendwelcher neuen Regularien, die alle paar Minuten aus dem Boden ploppen – und die Plattform die Pleite nicht ausgleichen kann
    • der Anbahner aus irgendwelchen anderen Gründen (schlechtes Wirtschaften o.ä.) pleitegeht
    • die Plattform z. B. zu viele Ersatzzahlungen bei ausfallenden Anbahnern leisten muss und deshalb – oder aus beliebigen anderen Gründen – ebenfalls pleitegeht
  • Unerprobte Assetklasse, die sich erst noch beweisen muss
  • Das einfache Handling verführt dazu, der Gier nach hohen Zinsen freien Lauf zu lassen und seine festgelegte Strategie etwas „auszudehnen“ (hust)
  • So passiv ist das Einkommen leider nicht …

Dass Rendite von Risiko kommt, ist gemeinhin bekannt. Aber gerade der Faktor „Passivität“ bzw. eher „Aktivität“ sollte bei P2P wirklich nicht außer Acht gelassen werden. Und dabei spreche ich aus leidvoller eigener Erfahrung!

So aktiv ist P2P: Aufwände, die man nicht scheuen sollte

Falls Du Dir also gerade überlegst, ob P2P-Kredite etwas für Dich sind, während Du Dir möglichst viele möglichst passive Einkommensquellen schaffst – überlege es Dir eventuell zweimal.

Denn ETF-gleiches „Investieren und liegenlassen“ kannst Du zwar schon machen. Aber schön wird das halt eventuell nicht.

Dein Geld muss nicht unbedingt direkt weg sein, bloß weil Du mal zwei Monate lang den P2P-Markt nicht in allen Details mitverfolgst und nicht täglich in Deine Dashboards schaust.

Aber: Wenn Du nur etwas Kapital in die Autoinvestoren stopfst und dann die Füße hochlegst, kann Deine P2P-Karriere durchaus den Bach runtergehen. Und das ziemlich überraschend und leider auch vollständig.

Grundsätzlich solltest Du daher am Ball bleiben und folgende Faktoren – regelmäßig! – mitverfolgen:

  • Autoinvestor: Tut der eingestellte Autoinvestor seinen Dienst, wie er soll – oder haben sich die Marktbegebenheiten geändert, so dass gar nicht alle liquiden Mittel vollständig reinvestiert werden (können)?
  • Kreditanbahner: Geraten Anbahner in Schieflage, so dass Du Deine Autoinvest-Einstellungen überarbeiten solltest?
  • Plattform: Gerät eine Deiner P2P-Plattform in Schieflage, so dass Du reagieren solltest?
  • Währungen: Tun sich neue Schwankungen auf, auf die Du – bei Investments in Fremdwährungen – reagieren solltest?
  • Ändern sich gesetzliche Regularien, die Du bei Deinen Investments oder auch bei Deiner Steuererklärung beachten musst?

Klar: Du kannst auch einfach alles vor sich hinlaufen lassen und einmal im Jahr nachsehen, ob es die Plattform noch gibt und was aus Deinem Geld geworden ist. Das ist alles legitim, solange Du dabei ruhig schlafen kannst.

Wenn Du das Ruder aber auch nur halbwegs „in der Hand behalten“ möchtest oder auch schlicht auf mehr als einer Plattform investierst, werden folgende Aktivitäten das passive Investieren zu einem durchaus zeitintensiven Nebeneinkommen verwandeln:

  • Regelmäßig Autoinvestor und liquide Mittel prüfen, damit Kapital nicht uninvestiert und damit unverzinst, im schlimmsten Fall sogar ungesichert, herumliegt
  • Newsletter der Plattformen lesen, in die Du investiert bist – so bekommst Du mit, wenn z. B. bisher kostenlose Funktionen plötzlich kostenpflichtig werden oder die Liquidität der Investments sinkt, indem die Rückkaufgarantie künftig viel später greift als bisher
  • Falls vorhanden: Blogs der Plattformen mitverfolgen, um mitzubekommen, wenn Anbahner in Schieflage geraten und direkt reagieren zu können
  • Und last but not least: Grundsätzlich am Ball bleiben, was sich in der P2P-Branche tut. Manche Schwierigkeiten kündigen sich deutlich vor einem offiziellen Aus an; und da es sich bei P2P um eine recht junge und sehr agile Assetklasse handelt, ist die P2P-Community Gold wert wenn es darum geht, schwarze Schafe zu erkennen und einen Bogen um sie zu machen.

Ja, das klingt nach Aufwand – und ist es auch. Vor allem, wenn man auf mehreren Plattformen investiert ist. Schließlich bedeutet jede neue Plattform: noch mehr lesen, noch mehr prüfen, noch mehr steuern.

Ich müsste mal mittracken, wie viel Zeit es monatlich real kostet, in Facebook-Gruppen und P2P-Blogs mitzulesen, die verschiedenen Plattformen zu checken und am Ball zu bleiben. Ein halber Arbeitstag im Monat dürfte es schon sein – mindestens. Wie man im Badischen sagen würde: „Es läbbert sich halt.“

Und dabei gehöre ich nichtmal zu den besonders aktiven P2P-Investoren; andere stecken mittendrin und verpassen nicht eine einzige News im Markt. Und davon gibt es viele. Wie gesagt: P2P ist eine junge und agile Assetklasse, in der viel passiert. Und je mehr Plattformen Du nutzt, umso aufwändiger wird der ganze Spaß.

Aber heißt das: Wenn ich nur in eine einzelne aber dafür große Plattform investiere, bin ich safe?

1-Plattform-Strategie: Der goldene Mittelweg für Aufwandscheue?

In meinem letzten Quartalsrückblick habe ich es bereits erwähnt: Bei 10 oder mehr Plattformen dauerhaft am Ball zu bleiben, kostet einfach Zeit und Mühe. Daher verringere ich meine Plattformmenge, um den Informationsaufwand künftig zu senken. Es gibt schließlich nicht nur die P2P-Investments, die Aufmerksamkeit erfordern.

Einige Investoren setzen aus genau diesem Grund auf die 1-Plattform-Strategie.

Sie investieren ausschließlich bei einem P2P-Platzhirsch (Mintos und Bondora sind da groß im Kurs). Die Argumente: Dort kann man durch die Vielzahl der Kreditanbahner ausreichend diversifizieren, man behält leichter den Überblick, die Zinsen sind im zweistelligen Bereich und damit ist das Aufwand-Nutzen-Verhältnis top. Eine schöne Steuerbescheinigung gibt’s obendrauf und mit dem smarten Zweitmarkt, Invest & Access/Go & Grow und einem übersichtlichen Autoinvestor hat man alle Möglichkeiten, die man sich wünschen kann – mehr Plattformen und damit mehr Aufwand braucht es nicht.

Diese Argumentation kann ich komplett verstehen und halte diesen Weg auch für eine solide Option, schließlich ist z. B. Mintos groß genug und bietet genug an Kredit- und Anbahnerbreite, um verschiedene Strategien zu fahren und dabei den Überblick nicht zu verlieren.

Aber: Wer fünfstellig in P2P investiert, will vielleicht nicht zu 100 % den Zinsvorgaben, Regularien und natürlich auch dem Risiko einer einzelnen Plattform ausgeliefert sein.

Auch, wenn Mintos einen absolut professionellen Eindruck macht und ich die Plattform nach wie vor für eine perfekte Einstiegsplattform in den P2P-Markt halte, würde ich bei geplanten größeren Gesamtinvestitionen nicht alle Eier in einen Korb legen.

Wenn z. B. Mintos im Herbst wieder einmal austestet, wie schmerzresistent seine Investoren sind, und die Zinsen in den einstelligen Bereich drückt, oder falls die Plattform doch aus irgendeinem Grund ernsthafte Probleme bekommt, möchte ich nicht 100 % meiner P2P-Investitionen davon betroffen wissen. But maybe that‘s just me 🙂

Fazit: Nicht ganz passiv – aber schön skalierbar

Das Schöne an P2P ist ja: Du hast alle Freiheiten, die Investments so (un-)aufwändig zu gestalten wie Du es möchtest. Du kannst so viel oder so wenig investieren wie Du willst! Auch Deine Schufa verschlechtert sich nicht, wenn Du mehrere Plattformen ausprobierst. Und sobald Du einmal im Thema bist, ist der Aufwand trotzdem überschaubar.

Grundsätzlich kann man P2P fast vollständig passiv für sich arbeiten lassen, Autoinvest sei Dank. Aber damit erhöht man das bereits vorhandene Risiko um einen weiteren Faktor.

Letztlich ist es wie bei Buy & Hold für Aktien. „Buy & Hold“ steht nicht für „Buy & Forget“.

Und genauso ist es auch bei P2P. Du kannst eine Wissenschaft draus machen, Du kannst es total vernachlässigen – solange Du die Entscheidung bewusst triffst.

Daher: Finde Deine Strategie, beachte dabei den Faktor „Aufwand“ – und gestalte P2P so passiv oder aktiv, wie Du es möchtest. Hauptsache, Du kannst nachts trotz allen Risiken ruhig schlafen, während Dein Geld die Ärmel hochkrempelt.

Wie hältst Du es mit P2P? Laufen lassen und möglichst wenig Arbeit damit? Oder lieber mittendrin statt nur dabei und immer up to date? Wie immer freue ich mich über einen Austausch in den Kommentaren!

3 Gedanken zu “Passives Einkommen mit P2P? So viel Aufwand steckt hinter P2P-Investments

  1. Der Großteil der Plattformen läuft bei mir doch relativ passiv. Die einzige Ausnahme ist Mintos wo ja doch mal ständig was war. Mittlerweile reagieren die aber auch vernünftig wenn ein Anbahner Probleme hat. Aber so wirklich entspannt ist das da gerade nicht.

    Aber ja fürs informieren geht immer etwas Zeit drauf. Aber so kann man auch mal seine Rendite pushen durch Zweitmarktkäufe in Krisen oder in dem man Cashback Aktionen mitnimmt.

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    1. Hi Christian, stimmt, Aktivitäten auf dem Zweitmarkt etc. habe ich gar nicht berücksichtigt – aber das sind m.E. „Extras“, die man gut selbst skalieren kann.

      Ich bin aber bei Dir: Einige Plattformen laufen total schön und ohne nennenswerten Aufwand. PeerBerry ist bei mir so ein Kandidat, der fast gar keine Arbeit macht. Und ja, Mintos ist in letzter Zeit natürlich etwas unbeständig gewesen – ich bin aber guter Dinge, dass die auch wieder in ihre Balance finden, wenn der eine oder andere Anbahner vollständig „abgewickelt“ ist. So ist halt P2P … Immer wieder für eine Überraschung gut 🙂

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