Wie berechnet man sein Humankapital?

Dem Finanzkapital, also Deinem finanziellen Besitz, steht Dein Humankapital gegenüber. Qualifikationen, Wissen, Berufserfahrung: „Humankapital ist der größte Hebel“. Das hast Du sicherlich schon X Mal gehört. Und dazu der ewige Aufruf: „Investiere in Dich selbst, in Dein Humankapital!“ Alles schön und gut. Ich habe mich dem Thema ja auch bereits ausgiebig gewidmet.

Aber hast Du schon mal eine Zahl hinter Dein Humankapital geschrieben? Hast Du Dir konkret vor Augen geführt, welche Kapitalsumme in Dir, Deinen Fähigkeiten und Deiner Zukunft schlummert?

Ich bisher nicht, diese Lücke habe ich nun aber geschlossen.

Und ich war, gelinde gesagt, völlig überrascht!

Du kennst den Satz: „Man überschätzt, was man in zwei Wochen erreichen kann, aber man unterschätzt, was man in einem Jahr schaffen kann.“

Und jetzt weiten wir das auf ein komplettes Erwerbsleben aus ….

Du ahnst bereits, worauf ich hinausmöchte 🙂

Berechnung: Warum man sein Humankapital hoffnungslos unterschätzt

Das noch ausstehende Humankapital zu berechnen, basiert auf zwei Annahmen:

Damit ist die nachfolgende Berechnung natürlich nur vage, ABER: Sie gibt einen ersten greifbaren Anhaltspunkt und macht bewusst, wie groß (oder auch bei fortgeschrittenem Alter: klein) die Stellschraube „Humankapital“ ist.

Das ist ein bisschen wie bei der Rente, wenn es heißt: „Die Rentenkassen sind leer, bis Du in den Ruhestand gehst.“

Solche Aussagen sind so vage, dass man vielleicht das Schlimmste ahnt, aber es sich nicht so richtig vorstellen kann. Wenn Du Dir dann aber konkret überlegst:

„Wie würde ich denn tatsächlich leben, wenn ich nur 530 Euro Rente bekommen würde?“

Dann ist das Ganze plötzlich greifbar und die Rentenlücke bekommt ein reales Gesicht. Und ja, eine solche Zahl ist selbst bei Gutverdienern leider realistisch – dazu später einmal mehr.

Genau so ist das beim Humankapital: Wenn Du weißt, was grob drin ist, kannst Du Dein Humankapital aktiv als stärkstes Steuerungsinstrument in Deinem Vermögensaufbau nutzen.

Wie berechnest Du Dein eigenes Humankapital?

Für die Berechnung Deines Humankapitals verwendest Du folgende Angaben:

  • Alter
  • voraussichtliches Renteneintrittsalter
  • monatliches Nettoeinkommen (Gehalt plus, falls vorhanden, sonstiges Einkommen aus dem aktiven Erwerbsleben)

Beispielrechnung für einen statistischen Durchschnittsverdiener in Deutschland zu Beginn seines Erwerbslebens:

  • Alter: 22 Jahre
  • voraussichtliches Renteneintrittsalter: 67
  • verbleibende Erwerbsjahre: 45
  • monatliches Nettoeinkommen: 1.890 Euro

Formel zur Berechnung des Humankapitals:

45 Jahre Erwerbsleben
x 1.890 Euro Nettoeinkommen im Monat
x 12 Monate

= 1.020.600 Euro

Das bedeutet: Ein Durchschnittsverdiener ist im Alter von 22 Jahren Humankapital-Millionär.

Hättest Du nicht gedacht? Ich auch nicht!

Diese spannende Rechnung lässt sich mit dem folgenden Rechner besonders einfach anstellen: http://www.finanzfluss.de/rechner/humankapital-berechnen/. Tipp: Einfach mal ein bisschen mit den Zahlen spielen! Was wäre, wenn Du Dein Humankapital z. B. durch ein einfaches Seminar (immer eine gute Verhandlungsgrundlage) um 50 Euro steigern würdest.

Je näher Du Deiner Rente kommst, umso stärker sinkt auch der Betrag, der Dein Humankapital umfasst. Aber bis dahin gibt es verschiedene Möglichkeiten, um das Humankapital deutlich zu erhöhen. Konkrete Vorschläge dafür findest Du am Ende dieses Artikels.

Wenn Du jetzt Dein eigenes Humankapital ausrechnen möchtest, kannst Du ganz einfach die Formel oben nutzen.

Oder Du verwendest einen praktischen Online-Rechner, wie den von finanzfluss.de.

Schreib mir doch in einem Kommentar, wie es um Dein Humankapital bestellt ist beziehungsweise was die Zahl bei Dir auslöst. Enttäuscht? Überrascht? Sofort voller Tatendrang?

Butter bei die Fische: Wie hoch ist mein Humankapital?

Ich rechne gerne sehr konservativ, das gilt auch für meine Financial-Independence-Berechnung und nun eben auch für die Humankapital-Berechnung. Daher habe ich eine angenommene jährliche Gehaltssteigerung in Prozent mit der geschätzten Inflationsrate in Prozent komplett verrechnet. Dies fußt auf der Annahme, dass ich jährliche Gehaltssteigerungen maximal in dem Umfang erhalte, wie sie von der Inflation wieder gefressen werden:

1,8 % angenommene jährliche Gehaltssteigerung (und auch dafür muss man sich schon richtig ins Zeug legen!) steht einer geschätzten Inflationsrate von 1,8 % gegenüber.

Und so komme ich, wenn meine nebenberufliche Selbständigkeit weiterläuft wie bisher und mein Renteneintritt auf mein 67. Lebensjahr fällt, Stand heute auf ein Humankapital von rund 1,2 Millionen Euro.

Willkommen im Club der Humankapital-Millionär. Wow!

Wie kann man das Humankapital erhöhen?

Du kannst nun an jedem Zehntel Prozentpünktchen der Rendite schrauben – oder Du nutzt den großen Hebel HUMANKAPITAL so früh und so stark wie möglich.

Es macht einen himmelweiten Unterschied, ob man mit einem okayen oder mit einem guten Einstiegsgehalt ins Erwerbsleben startet – rechne auch kleine Gehaltsnuancen einfach mal auf ein komplettes Erwerbsleben hoch. Da muss man schon ein enormes Händchen für Investitionen haben, um ein schnell dahingesagtes „Ja gut, dann finde ich mich mit dem Stundenlohn eben ab“ wieder auszugleichen.

Das Einkommen ist einer der größten Hebel, die Dir für Deinen Vermögensaufbau zur Verfügung stehen.

Du kannst Deine Ausgaben auf ein Minimum senken.

Du kannst Investments analysieren, was das Zeug hält.

Aber sobald Du es schaffst, Dein Humankapital und folgerichtig auch Dein Einkommen zu erhöhen, wirkt sich das enorm aus. Vor allem in jungen Jahren. Es macht einen viel stärkeren Unterschied, ob Du aus 200 Euro Spar- und Investitionsrate im Monat 400 Euro machen kannst – oder ob Du aus 5,6 % Rendite 6,3 % Rendite zauberst. Spoiler: zeitintensiver und (über die meisten Zeiträume gerechnet) weniger lohnenswert ist die Prozentpünktchen-Jagd.

Mit diesen Stellschrauben kann man sein Humankapital aktiv erhöhen

  • Fort- und Weiterbildungen mit Abschlüssen/Zertifikaten
    Wissensnachweise helfen, Deinen Wert zu konkretisieren
  • persönliche Weiterentwicklung und lebenslanges Lernen
    Je mehr Du kannst, umso größer ist die Bandbreite an Arbeit- und Auftraggebern, für die Deine Kenntnisse wertvoll sind
  • Verhandlungen für Gehaltserhöhungen
    Die schnellste Art, Dein Humankapital zu erhöhen
  • Wechsel des Arbeitgebers
    … mit einer Einkommenserhöhung, versteht sich
  • Schaffen neuer/weiterer Einkommensströme
    Vielleicht sogar mit attraktiverem Stundenlohn als im Hauptjob?
  • Gesunder Lebensstil
    Damit Du Dein Renteneintrittsalter auch tatsächlich erreichst 🙂
  • Netzwerken und Socializen
    So sorgst Du aktiv für Chancen, die Du Dir heute noch nicht ausmalen kannst
  • Mentoren und Inspiratoren
    Sind unbezahlbar bei Deiner persönlichen Entwicklung, was sich wiederum auf alle vorherigen Punkte auswirken kann

Wie erhöhe ich konkret mein Humankapital in den nächsten Jahren?

Mein Plan in aller Kürze: Indem ich gesund bleibe, mich jeder sich bietenden Erfahrungschance stelle, mich das eine oder andere Mal ins kalte Wasser traue, besser werde im Verhandeln und mich entlang meiner eigenen langfristigen Strategie weiterbilde.

Nicht nur für den Arbeitsmarkt will ich attraktiv sein. Ich möchte vor allem noch viel besser werden im Erkennen von Chancen, gerade im unternehmerischen Bereich. Und wenn ich in ein paar Jahren die Humankapital-Berechnung ein weiteres Mal anstelle, soll mein Know-how so stark gestiegen sein, dass ich trotz vorangeschrittenen Alters noch zum Club der Humankapital-Millionäre gehöre.

Und Du? Wie hegst, pflegst und steigerst Du Dein Humankapital? Schreib mir in den Kommentaren, wie Du das Thema siehst – und ob Du vielleicht auch bereits konkrete Schritte unternimmst, um nicht nur in Dein Finanzkapital zu investieren, sondern auch in Dein Humankapital. Ich bin gespannt!

4 Gedanken zu “Wie berechnet man sein Humankapital?

  1. In jungen Jahren hatte ich gar keinen Plan. Es stehen einem scheinbar alle Türen und Möglichkeiten offen. Danach habe ich geglaubt, dass ich an der Börse im Handumdrehen Millionär werde. Dann sollte dies durch ein eigenes Startup gelingen. Immer mal zwischendrin war auch eine Lotto-Million theoretisch möglich. Direkt gelungen ist mir die Million nie. Da ich immer gearbeitet habe ist mein Vermögen dennoch gewachsen. Allerdings in bescheidenerem Maß. Nun ist das verbliebene Humankapital laut Rechner doch sehr überschaubar. Die Lücke füllen wird mein Passives Einkommen aus Miete, Zinsen, Dividenden. Für 2020 allerdings wird es damit vermutlich in Summe nichts werden und meine Rücklage wird dann einspringen müssen.

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    1. Hi Andreas,

      danke für Deinen Kommentar! Witzig, so gesehen hast Du das Humankapital und Deine Erfahrung direkt in passives Einkommen „umgewandelt“, das wiederum den gleichen Zweck erfüllt. Heißt das, Du lebst bereits davon? 2020 dürfte für viele noch eine ordentliche Überraschung bereithalten – und ich fürchte, nicht zum besten. Was lässt Dein passives Einkommen denn konkret schrumpfen im Vergleich zu den Vorjahren? Wie bei mir ausgefallene Dividenden?

      Stay tuned!
      Sventja

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      1. Meine Einbußen sind: 1. Merklich weniger Dividende. 2. Merklich weniger Zins bei P2P weil Anbahner in Not keine Zinsen zahlen und Immo-Kredite oft verlängert werden. 3. Je eine Zwangs-Liquidierung und ein Bankrott von AGs, deren Aktien ich halte. 4. Ausfall Grupeer. Die Mieten sind noch stabil. Aber das Jahr ist noch lange nicht zu Ende. Ich befürchte also weitere Ausfälle. Daher erwarte ich für 2020 eben die schwarze Null und ein blaues Auge. In einem normalen Jahr könnte ich inzwischen von meinem Passiven Einkommen leben.

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